Wochenenden sind grundsaetzlich immer voll, mit wenig Schlaf oder einem, den man eventuell unkomfortabel nennen könnte, körperlich mehr oder weniger anstrengend, unvergesslich und reich an Lachen.

Vor vier Wochen bin ich nach Bursa gefahren, genauer Uludağ, der Berg dort, bekannt, da er die Flaschen des wohl am meisten verkauften Wassers Erikli (was eigentlich 'mit Pflaume' heisst) praegen darf und habe mich in die Kunst des Skifahrens einweisen lassen, was sich glücklicherweise als nicht allzu schwierig herausgestellt hat. Die dunklen Nadelbaeume mit ihren weissen Mützen erinnern dabei wenn man will ein bisschen an den Schwarzwald, blauer Himmel, Aussicht auf die umliegenden Berge, Waelder, Hochebenen und tiefhaengende Wolken, die von weitem wie kleine Schneelawinen an den gegenüberliegenden Haengen erscheinen. Zwischen den Sporttouristen, die wohl weltweit gleich ausgestattet sind, tummelt sich eine Gruppe junger Frauen mit Kopftüchern, machen eine Schneeballschlacht, fallen, lachen, fahren mit dem Sessellift wieder nach unten. Wir übernachten bei den Meteorologen, auf Nachfrage, ein Zimmer gibt es, mit drei Stockbetten und kaltem Wasser.

Die Woche danach: Wanderung. Eigentlich Ausbildungscamp für diejenigen drei, vier, die neu zu ESMAD dazugestossen sind, wie lese ich eine Karte, wie rette ich den, dem ein Stein auf den Kopf gefallen ist, wie mache ich Feuer, nur ESMAD ist kein Wanderverein, was für manche fünfzehn Kilometer Qual bedeutet, Qual, vorbei friedlich grasenden Eseln, Qual, vorbei an der Hütte einer alten Frau ('ach wegen euch war der Bus aus der Stadt heute wohl so voll!', woher weiss sie das?), vor der Hühner im Matsch picken und aus der in kleinen grauen Wolken, die an den Boden gedrückt werden Rauch aus dem Schornstein steigt, Aussicht ins Tal, wo die Sonne scheint, blau aus grau von oben hervorschaut, über den Fluss, erst der Rucksack, dann du, und wenn du nass wirst ist es auch egal, weil es sowieso schon geregnet hat. Und für die anderen ist die Qual des einen zusaetzliche Belustigung, ein weiterer Grund zu lachen waehrend man auf einer alten, inzwischen mit Gras bewachsenen Brücke deren Backsteine trotz ihres Alters ein Vertrauen ausstrahlen, Kekse isst. Abends sagen die Wolken Ade, Sterne funkeln, so viele, Wasser rauscht, rauscht, zischt, Wasserfall, Wasserrausch und am naechsten Morgen gehen auch wir dorthin, sitzen, lauschen dem Rauschen, lernen, wandern zurück, nicht so weit: Der Bus wird angehalten wo keine Haltestelle ist.

Daraufhin zum Kümbet, unsere achteckige, zweistöckige Hütte, das Projekt schlechthin und der Ort an den man immer geht, wenn kein anderer Plan vorliegt, auch der Ort, an dem man noch zumindest immer Arbeit findet. Inzwischen oben eingerichtet, mit Werkzeugregal, Weinregal, alles klein und unter Haekeldecken versteckt, Sitzkissen, rundem Tisch in der Mitte, kaum Höhe besitzend und viel Licht von oben, wie ein Treibhaus, es ist warm, angenehm, gemütlich. Wir schlagen eine Treppe in den Hang, den steilen, der nach jedem Regen aufgeweıchter ist, steiler wird und das jetzt nicht mehr so kann wie er will, Holz und Steine hindern.
Dann wieder Skifahren, wieder Uludağ, wir sind zehn und finden keine Unterkunft, aber was waere ESMAD ohne Zelte im Kofferraum und ohne die Faehigkeit auch im Tiefschnee einen Platz zu finden, wo man diese aufstellen kann: Hinter einer kleinen, verlassen erscheinden Moschee im Wald, mehr oder weniger windgeschützt, aber nachts faengt es an zu regnen, tauen und du fühlst dich wie in einer schaukelnden Plastiktüte, gegen welche die Gischt des Meerwassers spritzt, aber frieren tust du nicht und wenn man den ganzen Tag Ski faehrt kann man auch schlafen. Nur Ski fahren kann man nicht wenn es so viel regnet und wir gehen einkaufen. Nach Bursa. Das im Zickzack an den Hang gebaut ist und je weiter man nach oben kommt umso aelter scheinen die Haeuser, umso kleiner, umso mehr Holz stapelt sich um die bunten Fassaden, umso mehr scheint man in der Zeit zurück versetzt. Als letztes gehen wir zu IKEA, essen Hotdogs bevor wir auf dem Heimweg woanders Halt machen, für Köfte, die türkischen Fleischbaellchen.
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