Freitag, 20. Februar 2009

Kayakent oder: Fürchte dich nicht!

Zwei Höhlen an zwei Tagen, zwei Höhlen die mich mitnehmen, mich beanspruchen, mich fordern, mich staunen und lernen lassen. Wie unerreichbar ist die Kraft der Natur. Wie unglaublich unerreichbar. Kein Mensch hat je solche Palaeste gebaut. Und nie freust du dich mehr über Wasser als dort unten, unter Tonnen Stein, ein kleines Becken, versteckt zwischen Stalagmiten und Stalagtiten, bestaendig tropft es, frisch, kühl, schön kühl in der feuchten Waerme der unterirdischen Gewölbe, die wir besuchen.

Die Flamme auf meinem Helm erleuchtet die Welt um mich, die den Fledermaeusen und Niemandem gehört, an meinem Gürtel ein zweiteiliger Metallbehaelter, unten Calciumcarbid, CaC2, auf das von oben regulierbar Wasser nach unten tropft. Plastikschlauch zum Helm. Gas. Feuerzeug. Flamme.
Ich sehe.

Der Weg zur Höhle ist steil, verdammt steil, und matschig und danach hast du Sport gemacht für den Tag. Die Höhle ist eng. Zumindest der Eingang. Und auch steil. Aber wir nennen sie horizontal, ein Seil brauchst du nicht, aber hinlegen darfst du dich, kriechen, dich umdrehen in Nischen, ziehen, robben, über dir Stein, neben dir Stein, braun, feucht, Enge und ich dachte: Nein, das mache ich nicht. Aber natürlich machst du es doch nachdem dein Vordermann verschwunden ist im Nirgendwo und du kriechst ihm nach und in dem Moment ist dann auch alles egal: Was für ein Gefühl. Und dann der Saal. Die Ausmasse, und du dringst ein, immer weiter. Passierst Engpaesse, rutschtst, denkst: Rückweg unmöglich hier, aber du ziehst und siehst und bist in einem anderen Energiezustand.

Nachts noch zu einer anderen Höhle, im Eingangsbereich schlafen wir, draussen Regen, drinnen Tropfen. An der Wand Inschriften die ein Archaeologieprofessor vor zehn Jahren auf die Zeit der Kreuzzüge datiert hat. Darüber bildet sich die naechste Generation Kristall, Stein, Kalk.
Wie witzig ist das Essen, an vier verschiedenen Orten wird gekocht, Nudeln, Reis, Thunfisch drüber, Brot in die Hand, ist der eine Topf fertig rennen alle hin, ist der naechste fertig geschlossene Wanderbewegung zum Warmen, Frischen und wenn du nicht mitgehst hast du einen Topf vor dir, aus dem du endlich in Ruhe essen kannst, was übrig geblieben ist.

Und auch in diese Höhle, tiefer. Und wieder Engstellen. Wir suchen Wege. Und wir schauen auf die Karte, selbstgezeichnet, nichts ist richtig kartiert. Und dann bist du irgendwo und denkst: Nein, da können wir nicht reinrkriechen, nein, da können wir nicht runter, aber man kann doch.
Und danach gehst du nach draussen. Helle, wie hell es sein kann, und wie weit.

Wie unglaublich viel lernt man in einer Höhle. Wie viel über dich, deine Kraefte, deine Aengste, wie wichtig ist Teilen, Warten, Team, Beraten. Wie unglaublich schön ist Licht. Und wie maechtig ist die Natur. Und wie wenig weisst du. Und die Kreuzritter waren auch schon da, waehrend Fledermaeuse kopfüber hingen und nicht mal den Flügel von den Augen nehmen, wer bist du schon.

Bilder: 1. Sie fliegen, 2. Abstieg, 3. wie gewaltig und unten rechts wir, 4. Lager, 5. Weite und Licht

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